Wohnhaus Drepper – Eine kreative Lösung mit spannendem Grundriss
Vom geteilten Funktionsbau zum fließenden Wohnraum
Ursprünglich bestand das Gebäudeensemble aus zwei baulich getrennten Einheiten: einem Wohnhaus zur Straße hin und einem leicht versetzten, ehemals gewerblich genutzten Anbau im hinteren Bereich. Typisch für die Entstehungszeit war der Grundriss des Wohnhauses stark untergliedert mit kleinen, geschlossenen Räumen und eingeschränkter Flexibilität.
Die Herausforderungen, denen sich Dominik Drepper bei der Planung der neuen Räume gegenübersah, waren zum einen das Schaffen eines zeitgemäßen Raumgefüges, sowie die Verbindung beider bisher getrennten Gebäudeteile. Besonders das Zusammenführen beider Einheiten war schwierig, da die ehemaligen Gewerberäume tiefer als das Wohnhaus liegen und leicht versetzt gebaut wurden.
Die Idee war, ein fließendes Raumgefüge zu schaffen, welches vom höher gelegenen Wohnhaus über eine Treppe in den Anbau fließt. Ähnlich einem Bach im Gebirge. Zusätzlich wurde der Raum zwischen der Küche und dem Wohnbereich geöffnet, sodass sich Tageslicht in der gesamten Wohnung ausbreiten kann.
Die funktionale Anordnung der Räume sieht eine klare Trennung von Wohnen und Arbeiten vor. Das Schlafzimmer befindet sich auf der einen Seite, das Büro am anderen Ende des Raumgefüges. Das Wohnen und Leben findet im Bereich dazwischen statt. Durch die Nutzung des auf die Treppe folgenden Raums als Leseecke mit Tür zur Terrasse und Innenhof entsteht eine zusätzliche Pufferzone und trennt den Arbeitsbereich zusätzlich vom Wohnbereich. Trotzdem bleiben alle Räume durch die fortlaufende Achse des „Flusses“ miteinander verbunden.
Erweiterung mit zusätzlichen Elementen im Obergeschoss
Im Obergeschoss des Hauses wurde eine separate Mietwohnung ausgebaut, welche über das gemeinsame Treppenhaus erreicht wird. Dort setzt sich das Konzept fort und greift die Raumidee des Erdgeschosses auf. Zusätzlich verfügt die Mietswohnung über einen großen ausgebauten Spitzboden und eine Dachterrasse. Der Zugang zum Spitzboden wurde durch eine dezente, weiß gehaltene Treppe gelöst, welche das offene Konzept unterstützt und viel Tageslicht aus dem hellen Raum in die darunterliegende Etage lässt.
Historische Details als Teil des neuen Konzepts
Ein in meinen Augen sehr wichtiger Aspekt beim Umbau eines Bestandsgebäudes ist der Respekt gegenüber der bestehenden Substanz. Es geht nicht darum, etwas Neues zu erfinden, sondern darum, etwas Bestehendes neu zu interpretieren. Dieser Respekt gegenüber dem Bestand zeigt sich hier in den erhaltenen Details, welche dem Haus zusätzlichen Charme verleihen. Hier ist besonders der zuvor verborgene originale Holzdielenboden zu erwähnen, welcher den Räumen heute Wärme gibt und das verbindende Element der Räume ist. Aber auch die kleineren Details, wie die kleinen Fenster im Dachgiebel, die historische Wohnungstür, die charmanten Schachbrett-Fliesen im Flur, oder die charakteristische Holztreppe im Flur. Diese Details lassen die Geschichte des Bestandes weiterleben und verleihen den neuen Räumen Charisma und eine einzigartige Wohnatmosphäre.
Ein Beispiel für innovatives Bauen im Bestand
Mit seiner kreativen Interpretation des alten Wohn- und Arbeitsensembles zeigt Dominik Drepper exemplarisch, wie mit verhältnismäßig wenigen, aber gezielt gesetzten Maßnahmen neue Lebensqualitäten entstehen können. Dieses Projekt steht für eine respektvolle Haltung gegenüber dem Bestand und wie man diesen nachhaltig und zukunftsorientiert weiterdenken kann. Auf diese Weise werden nicht nur Ressourcen gespart und unnötige Emissionen vermieden. Es entstehen auch architektonisch spannende Konzepte, welche ohne die Herausforderungen des Bestandes vielleicht gar nicht entwickelt worden wären.