Mein Werdegang als Architekturfotograf –
ein persönlicher Einblick
Erste fotografische Berührungspunkte
Zu einer Zeit, in der es noch keine Smartphones gab und überwiegend analog fotografiert wurde, waren die Menschen regelrecht fotobegeistert. So auch meine Eltern, die mir schon in früher Kindheit eine Zweiaugen-Kinderkamera schenkten. In diesem Augenblick liegt, denke ich, der Grundstein für meine späteren Berufswahl.
In meiner Jugend, als ich verstand, was Beruf und Arbeiten bedeuten, entwickelte sich dann ein erster richtiger Berufswunsch. Jedoch musste ich schnell ernüchternd feststellen, dass sich der Beruf des Fotografen in unserem Dorf stark auf Passbild-Studios und Familienportraits beschränkte. Diese Perspektive sorgte wieder für eine Distanzierung der Berufswahl.
Als ich kurz vor meinem Abitur stand und mir verschiedene Hochschulen zur Berufsorientierung ansah, wurde ich auf den Studiengang Kommunikationsdesign an der damaligen Fachhochschule Düsseldorf aufmerksam. Die Beschreibung des Studiengangs las sich äußerst spannend. Praxisorientierte Kurse, Werkstätten, kreative Fächer und: Eine große Fotowerkstatt, die einen Schwerpunkt Fotografie ermöglicht.
Studium zwischen Design und Fotografie
Nach erfolgreich bestandener Eignungsprüfung konnte ich mein Wunschstudium am Fachbereich Design, der Peter Behrens School of Art, in Düsseldorf beginnen. Das Studium des Kommunikationsdesigns bot viele Möglichkeiten, viele gestalterische Disziplinen kennenzulernen. Von Typografie über Buchgestaltung, Video und natürlich Fotografie.
Besonders haben mir die handwerklichen Module gefallen, welche oft in engerer Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Architektur verbunden waren. Aber auch das Themenfeld Videoproduktion und Buchgestaltung haben mich viel beschäftigt und waren eine spannende Ergänzung zur Fotografie. In einem gemeinsamen Photoshop-Kurs mit den Architekturstudierenden beschäftigte ich mich mit der 2016 neu eröffneten U-Bahnlinie „Wehrhahn-Linie“, die mich nachhaltig für Architektur begeisterte.
Reflexion und Spezialisierung im Master
Zum Ende meines Bachelor-Studiums geriet ich in eine fotografische Krise. Ich beschäftigte mich zunehmend mit der Frage nach der Zukunft von Fotografie im digitalen Zeitalter. Was ist überhaupt „richtige Fotografie“? Meine Bachelorarbeit ist das Ergebnis einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Medium Fotografie und der Fragestellung, welchen gestalterischen Einfluss der Fotograf in der Entstehung abstrakter Fotografien nehmen kann. In einer Studie von abstrakten analog auf Edelstahl belichteten Fotogrammen habe ich diese Einflüsse untersucht und kunsttheoretisch eingeordnet.
Nach meinem bestandenen Abschluss war für mich die Krise zwar überwunden, jedoch hatte ich das Gefühl, dass meiner fotografischen Ausbildung noch mehr Tiefe fehlte. Als eine der herausragenden Hochschulen für Fotografie, insbesondere mit Blick auf kommerzielle Fotografie, war die Fachhochschule Dortmund die nächste Station auf meinem Weg. Im Masterstudiengang Photographic Studies konnte ich mich voll und ganz auf die Fotografie konzentrieren und meinen Schwerpunkt finden: Die Architekturfotografie. Während des Studiums erarbeitete ich unter anderem ein Fotobuch zur Düsseldorfer Werhahn Linie und beendete mein Studium mit einer umfangreichen architekturfotografischen Dokumentation der Goethe-Universität Frankfurt am Main.
Was die Architekturfotografie für mich so spannend macht
Als ich in meiner Jugend zum ersten Mal den Wunsch hatte, als Fotograf zu arbeiten, war mir das spezielle Feld der Architekturfotografie noch gar nicht bewusst. Meine Ausbildung und verschiedene Berührungspunkte zur Architektur haben mich letztendlich hierhergeführt. Für mich liegt die Spannung der Architekturfotografie im Zusammenhang von Ästhetik und Konzept. Es macht mir großen Spaß, mich mit dem Konzept und der Gestaltung eines Entwurfs zu befassen und diesen zu verstehen. Die besondere und anspruchsvolle Aufgabe ist dann, dieses Konzept in eine fotografische visuelle Bildsprache zu übersetzen, um die Idee der Architekten und Planer in Bildern verständlich zu machen. Diese Herausforderung und das Lernen von neuen Dingen sind in meinen Augen die elementaren Punkte, die für mich die Architekturfotografie zu einem so großartigen Beruf machen, den ich mit großer Leidenschaft ausübe.