Hohe Gebäude in der Stadt fotografieren am Beispiel des FOUR Frankfurt

Frankfurt hat mit dem Bankenviertel die wohl dichteste und am höchsten bebaute Innenstadt Deutschlands. Das Fotografieren solch hoher Gebäude in der Stadt stellt uns daher häufig vor Herausforderungen. Selbst die weitwinkligsten Objektive reichen oft nicht aus, um das vollständige Hochhaus zu fotografieren. Aus diesem Grund müssen wir oft kreativ werden und uns auf die Suche nach den besten Standpunkten begeben. Anhand des neusten Hochhausprojekt in Frankfurt, dem FOUR, möchten wir Ihnen einen kleinen Einblick in unsere Arbeitsweise geben.

1. Perspektive und Standortwahl

Der Standort ist der wohl am einfachsten zu beeinflussende Punkt, um ein Gebäude vollständig abbilden zu können. Mit mehr Distanz bekommen wir mehr Raum, um einen schönen Bildausschnitt zu wählen. Was auf den ersten Blick einfach anhört, ist aber oft gar nicht so einfach. Durch enge Straßen und die umliegende Bebauung müssen die perfekten Lücken erst gefunden werden.

Deshalb gehört zu jedem Hochhausprojekt, das wir fotografieren ein Location-Scouting als Vorbereitung. Das bedeutet, dass wir einmal durch das Viertel gehen und die Augen offenhalten, wo das Gebäude schön zum Vorschein kommt. Eine große Hilfe sind dabei besonders Parkhäuser und Dachterrassen, die uns einen erhöhten Standpunkt ermöglichen. Wichtig hierbei ist aber auf die Rechte von Eigentümern zu achten und entsprechend um Erlaubnis zu Fragen.

Auch wenn die Suche nach den Locations mit viel Aufwand verbunden ist, erhalten wir so oft die besten Motive. Ein entscheidender Faktor kommt dabei nämlich zum Tragen: der Kontext. Neben der dokumentarischen Abbildung eines Gebäudes ist es ebenso wichtig dieses in Bezug zum städtischen Umfeld zu setzen. Beim FOUR Frankfurt konnten wir so die große Präsenz und Strahlkraft weit über das Bankenviertel hinaus herausarbeiten. Während des Shootings haben wir viele Schritte gesammelt und verschiedene Perspektiven gefunden: von der Gallusanlage, dem Opernplatz bis hin zu einem Parkdeck. Das FOUR Frankfurt sticht von überall heraus und fügt sich doch auch in das belebte Stadtbild ein.

FOUR im Frankfurter Stadtbild
Junghofstraße T4 Four Frankfurt

2. Objektivwahl und Brennweite

Zum Fotografieren von hohen Gebäuden braucht es in der Regel weite Bildwinkel, um ein Gebäude vollständig abbilden zu können. Am häufigsten setzen wir für Außenaufnahmen daher ein 19mm oder 24mm Objektiv ein. Durch die Verwendung von speziellen Tilt-Shift-Objektiven erhalten wir noch etwas mehr gestalterischen Spielraum und können ungewünschte stürzende Linien vermeiden.

Tilt-Shift-Objektive besitzen einen größeren Bildkreis als die Größe des Kamerasensors. Mithilfe einer Mechanik lässt sich das Objektiv und damit der Bildkreis verschieben, sodass Elemente, die zunächst außerhalb des Bildes lagen ins Bild rücken. So können wir das Bild aktiv gestalten, ohne die Perspektive zu verändern.

Aber auch längere Brennweiten können bewusst für das Fotografieren von hohen Gebäuden im städtischen Umfeld eingesetzt werden. So eignen sich diese besonders für Detailaufnahmen. Sie können aber auch dazu eingesetzt werden ein Bild kompakter zu gestalten und den Fokus stärker auf das Gebäude zu legen, während das Umfeld in den Unschärfen des Vordergrundes verlagert wird.

3. Licht und Tageszeit

Das Licht spielt in der Architekturfotografie eine zentrale Rolle. Es sorgt für Spannung, Atmosphäre und setzt Akzente. Besonders warmes Sonnenlicht am frühen Morgen und Abend, oder eine hell leuchtende Glasfassade im Kontrast zur Dunkelheit der blauen Stunde sind gern genutzte Lichtstimmungen.

Darüber hinaus ist aber auch die übrige Tageszeit wichtig. Schließlich wollen wir ein Projekt möglichst umfänglich dokumentieren und auch zu verschiedenen Zeiten. Der Sonnenstand spielt bei Projekten in der eng bebauten Innenstadt daher eine große Rolle und muss in der Vorbereitung berücksichtigt werden. Umliegende Gebäude können unerwünschte Schatten werfen, genauso wie die Sonne zu bestimmten Zeiten zwischen den Gebäuden Licht auf die Fassade werfen kann. Um uns auf ein Shooting besser vorbereiten zu können nutzen wir daher gerne Planer-Apps wie beispielsweise www.shademap.app, um den Sonnenstand und Schattenwurf vorher abschätzen zu können.

FOUR Frankfurt Junghofstraße
Fassadendetail FOUR Frankfurt T3

4. Bildkomposition

Ein klarer Bildaufbau ist entscheidend, um ein Gebäude sachlich darzustellen und den Blick des Betrachters zu führen. Dramatische stürzende Linien sind in der Regel dafür kontraproduktiv und sollten vermieden werden. Symmetrien erzeugen hingegen einen beruhigenden Effekt, da sie dem Bild eine klare und einfache Struktur verleihen. Sie eignen sich besonders gut, um die Architektur in ihren Proportionen darzustellen. Schräge Perspektiven und asymmetrische Kompositionen sind besonders in engen Straßen hilfreich. Sie ermöglichen es, ein Gebäude dynamisch einzufangen, interessante Linien zu erzeugen und den begrenzten Raum kreativ zu nutzen.

5. Das Leben der Stadt einbeziehen

Wie schon eingangs im Abschnitt der Standortwahl beschrieben, ist es für die Aussagekraft und Spannung in Architekturfotos wichtig die äußeren Einflüsse mit einzubeziehen. Architektur ist keine anonyme Skulptur in der Stadt. Sie ist Teil eines Lebensraums und prägt diesen ästhetisch, sowie funktional. Daher ist es in unserem Verständnis besonders wichtig Menschen einzubeziehen. Sowohl für lebendige Bilder als auch für die funktionale Einordnung der Architektur.

Oft kann das Umfeld aber auch störende Elemente wie Baustellen, große parkende Transporter, oder andere störende Objekte haben. In diesen Momenten ist Kreativität gefragt: veränderte Perspektiven, ein anderer Standpunkt, oder wir versuchen das Störende bewusst und annehmbar ins Bild zu integrieren. Wer lernt, mit den Gegebenheiten umzugehen, kann selbst unerwartete Störungen in einen Mehrwert für das Foto verwandeln.

FOUR Frankfurt am Puls der Stadt
FOUR Skylineblick Opernplatz Frankfurt

Zusammenfassung

Hohe Gebäude in der Stadt zu fotografieren, stellt zunächst eine gewisse Herausforderung dar. Diese Herausforderungen spornen uns aber an und bringen uns dazu, dass wir uns kreativ mit dem Projekt auseinandersetzen und Lösungen finden. Grundsätzlich lebt Architekturfotografie von der bewussten Auseinandersetzung mit Gebäuden und Räumen. Durch unsere Erfahrung, das richtige Equipment und kreative Lösungskompetenz können wir uns jedem Gebäude selbstbewusst gegenüberstellen.

Beim Dokumentieren des FOUR Frankfurt haben wir uns an vielen Stellen mit unterschiedlichen Herausforderungen konfrontiert gesehen. Im Ergebnis haben sich durch die intensive Auseinandersetzung aber viele sehr schöne und spannende Perspektiven ergeben, welche der enormen Präsenz des Projekts gerecht werden. Aus vielen Winkeln der Stadt lassen sich die vier Türme zwischen den Häuser erblicken und prägen nun das imposante Bild der Skyline. Wenn Sie sich näher für das Projekt interessieren können Sie auf der Projektseite FOUR Frankfurt weitere Fotos entdecken.